Laser-Geschwindigkeits-messgeräte(Vitronic Poliscan Speed)

Das Laser-Geschwindigkeitsmessgerät Vitronic Poliscan Speed wurde bereits 2007 von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) zugelassen. Im Gegensatz zum herkömmlichen Laser-Messgerät tastet das Vitronic Poliscan Speed automatisch den gesamten befahrbaren Bereich einer Straße ab und misst so die Geschwindigkeiten des abfließenden bzw. ankommenden Verkehrs. Es ist nicht notwendig, mit dem Laserstrahl ein konkretes Fahrzeug anzuvisieren. Die Messung erfolgt mit einem Lidarmesskopf (light detection and ranging). Es handelt sich um die Ermittlung der Geschwindigkeit mittels Sicht- und Abstandsmessung. Der Messstrahl tastet einen Fahrbahnbereich zwischen 10 und 75 Meter innerhalb eines horizontalen Blickfeldes ab. Es ist daher ein Messbetrieb über mehrere Fahrspuren möglich. Die Geschwindigkeitsmessung basiert auf einer Laserlaufzeitmessung. Die Entfernung der Kraftfahrzeuge wird über die Laufzeit der Laserimpulse gemessen, die vom Gerät ausgehen und nach Reflexion an den gemessenen Fahrzeugen wieder empfangen werden. Im Rahmen einer automatischen Weg-Zeit-Berechnung wird die Geschwindigkeit der überwachten Fahrzeuge ermittelt. Es bedarf daher keiner Auslöseeinrichtung, wie z. B. einer Lichtschranke. Es können auch mehrere dicht hintereinander oder nebeneinander fahrende Fahrzeuge kontrolliert werden. Die automatisch ausgesandten Laserstrahlen werden von den gemessenen Fahrzeugen reflektiert und wieder empfangen. Aufgrund der Weg-Zeit-Berechnung wird die Geschwindigkeit ermittelt. Voraussetzung ist, dass das Fahrzeug jeweils mindestens über eine zusammenhängende Strecke von ca. 10 Meter den Laserstrahl reflektiert. An einer ordnungsgemäßen Geschwindigkeitsmessung bestehe nach der Prüfung durch die PTB Braunschweig keine Zweifel. Problematisch ist die Zuordnung der Geschwindigkeit an das jeweilige Fahrzeug. Bei der herkömmlichen Messung ist fixiert, an welchem Punkt der Straße die Geschwindigkeitsmessung endet. Eine gewisse Zeit danach wird dann das Fahrzeug fotografiert. Allein am Abstand zwischen Messpunkt und fotografischer Festhaltung des Fahrzeuges kann man überprüfen, wie schnell das Fahrzeug unterwegs war.

 

Anders ist dies beim Poliscan Messgerät. Die Kamera löst erst dann aus, wenn der Fahrer am besten zu sehen ist, d. h. der Messpunkt ist zu diesem Zeitpunkt in der Regel nicht mehr im Blickfeld der Kamera.

 

Die Identifikation erfolgt folgendermaßen:

 

Die Fahrzeuge werden vom Laserstrahl erfasst. Die Bewegung der reflektierenden Punkte eines Pkws werden vom Messgerät in ein Koordinatensystem übertragen, das einen fixen Bezugspunkt zur Aufstellposition des Messgerätes hat. Das Poliscan Gerät rechnet dann aus, wo das zu schnell fahrende Fahrzeug zum Zeitpunkt des Fotos sein müsste. Diese Stelle ist sichtbar als Rahmen auf dem Foto. In diesem Rahmen müsste dann das dazugehörige Fahrzeug zu sehen sein, wenn die Messung ordnungsgemäß war und der Fahrer inzwischen nicht heruntergebremst hat. Das erste Problem ist, dass diese interne Berechnung des Gerätes nicht überprüfbar ist. Früher konnte man die Zuordnung aufgrund der Lichtbilder mit Messpunkt und Pkw verifizieren. Dies ist hier nicht möglich.

 

Das Amtsgericht Dillenburg hat daher die Messung als unsicher bezeichnet und nicht verurteilt. Dagegen hat die Staatsanwaltschaft Rechtsbeschwerde eingelegt. Der zuständige Richter begründete sein Urteil damit, dass selbst mit Hilfe eines Sachverständigen eine Überprüfung der Zuordnung der Geschwindigkeit zum Fahrzeug nicht möglich ist. Weitere Schwierigkeiten können auftreten, wenn sich auf zwei Fahrspuren zwei Fahrzeuge annähern, die so zueinander versetzt waren, dass sie vom Poliscan während der gesamten Abtastung als eine Einheit gesehen werden.

 

Die Geschwindigkeit eines Pkws darf sich innerhalb der Messstrecke um bis zu 10 % ändern. Bei höheren Differenzen wird die Messung annulliert. Im Fall der beiden nebeneinander fahrenden Fahrzeuge kann daher eine um 10 % höhere Geschwindigkeit gehabt haben. Es wird von der Herstellerfirma nicht erklärt, wie dieses Problem zu lösen ist. Die Datenschutzproblematik ergibt sich bei dem Poliscan-Messgerät nicht. Es können für Personenkraftwagen und Lastkraftwagen unterschiedliche Geschwindigkeitsgrenzwerte, je nach der erlaubten Geschwindigkeit eingestellt werden. Werden diese Grenzwerte überschritten, wird der Fahrer auch fotografisch erfasst, d. h. datenmäßig wird nur der erfasst, der die zulässige Geschwindigkeit überschreitet.

 

Als Toleranzfehlergrenzen sind bei Geschwindigkeiten unter 100 km/h 3 km/h und bei Geschwindigkeiten über 100 km/h 3 % der Geschwindigkeit in Abzug zu bringen.

 

Der Sachverständigen Löhle aus Freiburg kritisiert unter anderem die Fehlergrenzen bei der Kennung der Fahrzeuge und bei der Fixierung der Fahrspur in Höhe von 5 %. Diese sind aber möglicherweise inzwischen durch eine neue Software behoben worden (Löhe, DAR 7/2009, 422 ff). Kritisch ist auch die Digitalfotografie zu beurteilen, da Manipulationen möglich sind. Hier muss man sich damit abfinden, dass in der Regel keine Motivationslage für Manipulationen besteht.

 

Ein weiterer Beitrag von Löhe im DAR wird demnächst eingearbeitet

 

Verfasser:W.H.

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